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Metal Stammtisch für alle Fans der harten Mucke :)

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Onkel Lou

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Post #71 geschrieben am 11.12.2016 - 17:55

@teetussi: ich vermute mal, du hast die pathologische Depressionen, sprich das ist bei dir die eigentliche Krankheit.
Bei mir waren es ja "nur" Begleiterscheinungen, also reine soziale depressive Verstimmungen, nennen wir es mal so, um es abzugrenzen. ^^ Und da ich sowieso ein sehr melancholischer Mensch bin, waren die depressiven Phasen bei mir halt eher inspirierend, denn abhaltend. Ich habe (zum Glück) niemals dieses Stadium der absoluten Leere erreicht - und wenn doch, dann ist es mir nicht aufgefallen. Du kannst das also auch nicht so einfach vergleichen - die pathologischen Depressionen sind wieder was ganz anderes, als die "Begleiterscheinungen", die aber einfach nur die Folge einer anderen Ursache sind. oÔ

Pumpel
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Post #72 geschrieben am 11.12.2016 - 18:46

@O.L.:
... hmm, der Pumpel grübelt ..., was ist denn der Unterschied zwischen einem melancholischen und einem depressiven Menschen :-O ... wird denn ein melancholischer Mensch auch irgendwann wieder gesund ... :-O?

(Post editiert am 11.12.2016 - 21:23)

Onkel Lou

Beiträge: 140

Post #73 geschrieben am 11.12.2016 - 20:39

@Pumpel: Eine Depression ist eine pathologische Störung, also eine Krankheit; die entweder durch einen kaputten Hormonhaushalt, genetisch bedingt, durch Stress oder durch traumatische Erlebnisse entstehen kann. Weiterhin ist sie bei vielen anderen psychischen Erkrankungen ein Symptom. Depressionen zeichnen sich NICHT durch die im Volksmund gerne zitierte "Traurigkeit" aus, sondern durch
* eine extreme geistige und körperliche Erschöpfung (ich z.B. hab in der Phase durchschnittlich 20 Stunden am Tag geschlafen über 3-10 Tage hinweg),
* ständige geistige und psychische Überforderung, die zu schweren psychischen und physischen Reaktionen (inkl. Angststörungen) führen kann
* emotionale Leere
* absolute Hoffnungslosigkeit
auszeichnet. Im groben ausgedrückt. Dir fehlt selbst für den Selbstmord der notwendige Antrieb, nur in die Küche zu gehen und dir das Messer aus der Schublade zu holen - selbst diese "einfache" Aufgabe stellt dich vor unüberwindbare Hürden, weil allein das Aufstehen schon so viel körperliche und geistige Ressourcen aufbraucht, dass dich allein das schon völlig überfordern kann. oÔ Das einzige, was noch wirklich SEHR GUT funktioniert, ist dein Hirn, dass sich wunderbar darin verlieren kann, wie wertlos, überflüssig, belastend etc du bist. :-/ (achtung, Extrembeispiel)

Melancholie ist hingegen ein Charakterzug und nicht im ICD eingeordnet, damit keine Krankheit. Im Endeffekt ist es auch nicht einmal ansatzweise mit einer Depression zu vergleichen. Ein melancholischer Mensch, das sind z.B. viele introvertierte Leute. Man ist viel mit sich und seinen Gedanken alleine, verliert sich in seinen Grübeleien - und da der Mensch dazu neigt, sich auf negative Dinge zu fixieren, sind diese Grübeleien halt auch öfter mit "negativen" Gedankengängen verbunden. Im Gegensatz zur Depression oder zur Traurigkeit ist der Zustand der Melancholie einer, die einen Menschen durchaus mit inneren Frieden, Glück und Zufriedenheit erfüllen kann; wenn man z.B. am Meer steht und den Gezeiten beim Wechsel zusieht und sich dabei in seinen Gedanken über Freiheit und die Grenzen des menschlichen Daseins verliert, dann KANN das durchaus einen sehr erhabenen Moment bedeuten; und der kann einem wiederum inneren Frieden und Glück geben. ^^

Ansonsten: such ICD Depressionen und bei Wiki nach Melancholie XD

Pumpel
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Post #74 geschrieben am 11.12.2016 - 21:23

@ O.L.:
... danke für die gut verständliche Einführung :-)! Kann man als Außenstehender wahrscheinlich schwer nachvollziehen ... :-O ... kann nur nicht ganz verstehen, was eine melancholische Persönlichkeit für einen evolutionspsychologischen Wettbewerbsvorteil darstellt, normal bleibt ja immer nur das erhalten, was gut an die Umwelt angepaßt ist ... der Pumpel grübelt weiter ... normalerweise würde man ja denken, das freudige und positiv eingestellte Menschen die besten Fortpflanzungs-Chancen haben, gibt es da irgendwie Statistiken drüber, wie viele Menschen unter einer melancholischen Persönlichkeit "leiden" ... :-O?

(Post editiert am 11.12.2016 - 21:23)

Onkel Lou

Beiträge: 140

Post #75 geschrieben am 11.12.2016 - 21:30

Welchen evolutionären Vorteil hat Kurzsichtigkeit? Welchen evolutionären Vorteil haben schmale Becken bei Frauen, die dadurch über Generationen hinweg deswegen mitsamt Kind im Kindbett starben? Welchen evolutionären Vorteil hat eine bipolare Störung? Welchen Vorteil bringt uns die Gabe zur höchsten Kreativität und Intelligenz, deren Ursprung aber gleichzeitig auch Schizophrenie auslöst?
Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man im Endeffekt an diesem Punkt die Menschheit aus der klassischen Evolutionstheorie ausschließen muss. Man muss die Menschheit nicht als individuelles evolutionäres Wesen betrachten, sondern als einen komplexem Organismus, in dem es einfach schlechte Gene gibt, die aber durch andere Vorteile diese Nachteile wieder aufwiegen und im Gesamtorganismus durchaus in ihrer Fehlerhaftigkeit einen Vorteil darstellen können.
Man kann das so ein bisschen sehen wie Leukämie bei Menschen über 85: EIGENTLICH eine tödliche Krankheit, die jedoch durch ihre Erhöhung des Zellwachstums der extremen altersbedingten Verlangsamung genau dessen entgegen wirkt und somit diesem Menschen tatsächlich ein längeres Leben beschert ^^
ODER: Mutter Natur setzt alles daran, den Fehler Menschheit auszumerzen und hat den evolutionären gesunden Verstand beim Menschen irgendwann ausradiert XD

edit: außerdem habe ich festgestellt, dass Frauen Melancholie oftmals anziehend finden, weil sie vor allem bei intelligenten Männern auftritt. Und ich schätze mal, Männer mögen melancholische Frauen, weil sie weniger Widerworte geben ôO XD Aber DAS ist grade eine laienhafte VErmutung aus dem Stand heraus. Meine Frau empfindet mich jdf als einen Ruhepol/Gegenpol ^^

edit 2: Außerdem, überlege mal, wie lange die Menschheit existiert. Das ist evolutionär betrachtet eine wirklich kurze Zeit, weswegen wir i.A. noch sehr viele rudimentäre Eigenschaften haben, die eher kontraproduktiv sind und sich noch immer munter weiter vererben, weil die entsprechende Mutation, die das ganze ausmerzt, noch nicht eingeführt/durchgesetzt hat ^^

(Post editiert am 11.12.2016 - 21:38)

Pumpel
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Post #76 geschrieben am 11.12.2016 - 21:53

... naja Mutationen sind ja sehr einschneidende Ereignisse, die sind eigentlich fast immer negativ selektiert, außer eben bei einschneidenden Umweltveränderungen, dann können das auf einmal die großen Gewinner sein ;-) ... stimmt schon, die Menschheit ist ja evolutionsmäßig noch im Kindesalter ;-), da ist noch viel Luft nach oben :-D, evtl. ist die Melancholie auch an irgendeinen Evolutionsvorteil gebunden ... oder aber melancholisches Weibchen findet sich immer mit melancholischem Männchen zusammen, die Kinder sind wieder melancholisch usw. ... :-O ... man müßte halt mal wissen, wie die Statistik dazu im Laufe der Jahrhunderte aussieht, falls es so etwas gibt, wobei das natürlich für die Evolution nur einen Sekundentakt darstellt ... ;-) ...

Onkel Lou

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Post #77 geschrieben am 11.12.2016 - 23:12

Also grundsätzlich sind Mutationen neutral zu bewerten. ^^ Allein die Blutgruppen sind schon spontane Mutationen, die bei bestimmten Krankheiten Vorteile und bei anderen Nachteile brachten. Uns fallen leider (menschliche Denkweise) immer zuerst die negativen Mutationen ein. *g* Aber letztlich ist jede genetische Veränderung eine Mutation.

Wobei ich persönlich jetzt nicht gerade die Erfahrung gemacht habe, dass bei Melancholie "gleich und gleich gesellt sich gerne" gilt.
Aber mal sozial betrachtet, macht es schon Sinn, dass sich Melancholie bewahrt hat. Musik, Literatur und andere kreative Dinge sind ein essenzieller Bestandteil der menschlichen Sozialstruktur - es prägt uns emotional und hat damit einen gewissen Suchtfaktor beim Menschen. Durch unsere Gruppenorganisation sind wir nicht mehr so sehr von der Evolution abhängig - wir können genetische Defizitie durch Intelligenz und Gruppenverhalten wieder ausgleichen; andererseits überlegen wir uns jetzt mal, z.B. in der Antike: wir haben einen melancholischen Menschen, der sagen wir mal, Theaterstücke schreibt. Wenn man diesen Menschen jetzt betrachtet, dann sieht man nicht "nur" die evolutionären Nachteile, sondern vielmehr sieht man eher die Tatsache, dass derjenige "es sich leisten kann", so zu sein. Damit ist sozial betrachtet ein gewisser Wohlstand verbunden - und Wohlstand ist eine sehr attraktive Sache in der Gesellschaft; schon immer gewesen. ^^

Und sorry, dass ich jetzt hier so ausführlich bin. Wie gesagt, ich bin nicht gut um "smalltalk" - ich sehe eher so etwas als "smalltalk" an. ^^'

Pumpel
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Post #78 geschrieben am 11.12.2016 - 23:59

... find ich gut, daß Du ausführlich bist :-), bei meinem kindlichen Gemüt kann's nicht ausführlich genug sein :-D, naja mit den Mutationen ... es stimmt schon, daß wir erfolgreiche Mutationen haben, wir vergessen aber dabei die vielen "Versager-Mutationen", die niemals Aufsehen erregt haben, also sozusagen niemals "das Licht der Welt groß erblickt haben", ich denke mal, wir liegen im Verhältnis von 99 : 1, zugunsten der Versager ;-), die "Gewinner" liegen uns dafür umso mehr am Herzen :-) ... mit den melancholischen und depressiven Künstlern, da gibt es viele, besser gesagt, gibt es "andere" ;-), aber bedienen die nicht auch Kunstkonsumenten mit ebensolchen Persönlichkeitsmerkmalen ;-), oder hören positiv und freudig gestimmte Charaktere Gothic, lesen Kafka oder schauen sich expressive Kunstwerke an ;-), außer natürlich es ist gerade "in" bzw. beruflich bedingt, würde bedeuten, daß die Spitze des Eisbergs der Melancholiker, andere, eher "gemäßigte" ;-), mit Kunst versorgen und sich dadurch Reichtum und Sexualpartner verschaffen und einen Evolutionsvorteil besitzen, eine Gesellschaft innerhalb der Gesellschaft sozusagen :-O, ... ich bin mal durch Zufall in Leipzig in diesen jährlichen Gothic-Tag geraten ... :-O, ich dachte wirklich, ich bin in einer total anderen Gesellschaft gelandet :-D ...

(Post editiert am 12.12.2016 - 00:00)

Onkel Lou

Beiträge: 140

Post #79 geschrieben am 12.12.2016 - 10:25

*lol* Ja, Gothics sind schon ein interessantes Völkchen ^^ Nix für mich, auch wenn ich ihren Kleidungsstil SUPER finde *.* Aber ist mir letztlich meistens einfach zu viel Aufwand, den durchzuziehen XD Die stehen ja länger vor dem Spiegel als meine Schwiegermutter! XD
Wobei jetzt nicht zwangsläufig nur melancholische Menschen melancholische, traurige Kunst mögen. Nehmen wir mal die ganze Dramengeschichte zum Beispiel; aus dem Stehgreif nenne ich jetzt einfach mal den Schimmelreiter von Storm oder von mir aus Kabale und Liebe von Schiller, die Judenbuche von Droste-Hülshoff oder Dantes Inferno. Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass diese Werke weniger positive Stiimmung und Kernaussagen haben, als jetzt Komödien wie z.B. Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung von Grabbe. Aber gerade diese düsteren Dramen schaffen es zu weit mehr Ruhm und breiterer Beliebtheit, als die positiven Werke der Geschichte. Das hat mehrere Gründe: 1. wir ergötzen uns gerne am Leid anderer. 2. Wir LERNEN aus dem Leid anderer. 3. Empathie mit leidenden Artgenossen schweißt uns sozial zu sammen. Vgl wenn es zu Katastrophen kommt: Auf einmal ist jeder Zwist vergessen und die Menschen arbeiten zusammen. Leid und MITleid schweißen unsere Gesellschaft zusammen - und Mitleid muss man lernen; das geht besonders gut über die Kunst; fiktives Leiden spricht uns an, ohne dass jemand Lebendiges zu Schaden kommt, daher ist es ein wichtiger sozialer Faktor. Warum sonst sind gerade die bittersüßen Liebesgeschichten a la Romeo und Julia so dermaßen beliebt?
Und jetzt Beispiel Gothic: meine Frau z.B. nennt Gothic ihre "gute Laune Mucke", weil sie die emohaften Texte als so dermaßen lächerlich empfindet, dass es sie wieder aufmuntert. ^^ Wohingegen die getragenen Balladen vom Metal bei ihr eher das Gegenteil bewirken ^^

Ich behaupte ja auch nicht, dass jeder Künstler melancholisch ist, weiß Gott. Würde mich nicht wundern, wenn viele von denen das auch "nur" als erfolgreichen Werbegag nutzen. ^^ Ich denke auch nicht, dass jeder Melancholiker ein Künstler jedweiger Art ist - dazu gehört dann nämlich auch noch eine entsprechende Begabung, Kunst zu produzieren. :-)
Ich muss jetzt z.B. sagen, dass meine Melancholie und meine Kunst nicht viel miteinander zu tun haben; klar, manchmal zeichne ich in dem Versuch, das innere Bild zu Papier zu bringen, aber mit eher mäßigem Erfolg. ^^ Von den Gedichten abgesehen (für die Melancholie aber nicht ausreicht), sind meine Schriftwerke tatsächlich eher von meiner Logik und meinen Alltagsgedanken über den Kern der Gesellschaft getragen, die ich eigentlich relativ emotional neutral angehe. ^^ Im Grunde ist gerade der Horror- und Fantasybereich stark von Gesellschaftskritik durchwirkt und da sind so Emotionen wie Melancholie eher störend, weil sie den Blick verklären ^^
Für mich persönlich ist die Melancholie dann mein Rückzugsort, einfach mal die Seele baumeln lassen und sich in seiner eigenen Gefühls- und Gedankenwelt verlieren; manchmal von Musik unterstützt, aber meistens brauche ich dafür einfach nur Dunkelheit, Kälte und die freie Natur. :-) Kraft tanken und abschalten.

Pumpel
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Post #80 geschrieben am 12.12.2016 - 17:58

@T.T.:
... also der Hauptunterschied zwischen einer Depression und einer depressiven Episode ist die "Vergesslichkeit" ... :-O ... der Pumpel grübelt ... gibt es dafür eine Erklärung, warum gerade die "Vergesslichkeit" das Krankheitsbild definiert und welche weiteren Unterschiede gibt es zwischen diesen beiden Krankheitstypen ... :-O ?

(Post editiert am 12.12.2016 - 20:02)

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