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Das Paradies (Volk und Welt Spektrum 58)

Das Paradies (Volk und Welt Spektrum 58)

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Vollständiger TitelDas Paradies (Volk und Welt Spektrum 58)
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Aktueller Besitzerhowmenare
Aktuelle Kosten 1 Punkt
GenreSoziales
Buchformat:Taschenbuch
Buchnummer65737
AutorAlberto Moravia
ISBN-Nr.B001RMABXG
Erscheinungsdatum1974
VerlagVolk und Welt Berlin,
Beschreibung

Dass Alberto Moravia im Grunde ein altmodischer Schriftsteller ist, obschon er zur Verbreitung von marxistischen, psychoanalytischen und strukturalistischen Theorien mehr getan hat als irgendein anderer italienischer Autor der Gegenwart, zeigt sich in der Rollenteilung zwischen Mann und Frau, die durch sein ganzes Werk geht. Die Männer sind für Moravia - wo es sich nicht wie in den "Römischen Erzählungen" um die vitalen Strolche und Tagediebe des Subproletariates handelt - Produkte der Selbstentfremdung, Marionetten, die an den Fäden ihrer Frustrationen zappeln, wandelnde Theoreme marxistischer Gesellschaftskritik. Moravias Frauen dagegen leben: sie sind eigensinnig, unberechenbar, ungreifbar wie die Wirklichkeit und bewahren, selbst wo sie im Käfig einer bürgerlichen Existenz eingeschlossen sind, eine irrationale, kreatürliche Eigengesetzlichkeit. So kommt es zum Paradox, dass Moravia besser, phantasievoller und amüsanter erzählt, wenn er Frauen als Ich-Erzähler wählt wie in den vierunddreißig Geschichten, die unter dem Titel "Das Paradies" in deutscher Übersetzung erschienen sind. Vierunddreißig bürgerliche Frauen kommen in ihnen zu Wort, die alle von einem Ereignis oder Zustand erzählen, der ihr Bewusstsein betroffen und in Bewegung versetzt hat. Es kommt zu einem Abtasten des eigenen Lebensraums, einem Ausmessen der eigenen Welt, die fast immer von der Figur eines Mannes dominiert wird. Dabei entsteht eine sehr erheiternde und komische Galerie von unheldischen Helden, Sklaven der Konsumgesellschaft, die sich rational und selbstbewusst geben und nicht merken, dass sie in den Augen ihrer Frau die Rolle des überlegenen Bankfachmannes, des genialischen Architekten oder auch des treubesorgten Familienvaters wie Schmierenschauspieler spielen. Im Augenblick, wo Moravias Frauen erkennen, wie banal die Komödie ihres Lebens ist, resignieren sie belustigt und gewinnen damit ein wenig Spielraum für die Phantasie; ihre Geschichten hören mit Fragen oder Vermutungen auf; so sinniert die Betrügerin im Gefängnis: "Jetzt bin ich wirklich in einem Gefängnis. In diesem offensichtlich hermetisch abgeschlossenen und unaufbrechbaren Gefängnis, dem ich so oft dank der Phantasie entgangen bin. Ich habe wie immer zwei Möglichkeiten: Verurteilung oder Freispruch. Oder, oder . . ." Manchmal fliehen diese bürgerlichen Frauen auch in die Exzentrik: sie gehen auf Reisen, sie fangen ständig neue Dinge an, sie machen untaugliche Selbstmordversuche und begehen sorglos alle möglichen Delikte - vor allem Männermord, Fast nie aber verfallen sie dem Philosophieren, einer Tendenz, die bei Moravias männlichen Ich-Erzählern sehr ausgeprägt ist. Die Geschichten im Band "Das Paradies" knüpfen in ihrer präzisen Fülle von Beobachtungen und Einfällen an die
neorealistischen "Römischen Erzählungen" an, die Moravia in den fünfziger Jahren schrieb. Die Gesellschaftskritik geht in ihnen ganz im Erzählerischen auf.
(ALICE VOLLENWEIDER-FAZ)
Diese Rezension bezieht sich auf die Ausgabe bei rororo. Das hier vorliegende Buch ist die bei Volk und Welt 1973 erschienene Ausgabe in der Spektrum-Reihe

Das Exemplar ist ziemlich angestoßen und rundgelesen.

Tags:erzählungen, frauen, bürgerlichkeit

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